Berichterstattung über Gaza
Anlässlich einer Bestandsaufnahme in der Schweiz fiel der Blick auch auf die Berichterstattungs-Probleme in anderen Staaten: "In Deutschland gibt es dazu eine eigene, wissenschaftlich kuratierte Website www.dokumentation-gaza.de und einige journalismuskritische Untersuchungen. So belegt die Analyse von Mandy Kröger in «Journalistik», dass laut einer Studie der NGO Reporter ohne Grenzen (RSF) von 2025 der Gaza-Krieg «das schwierigste Thema» war, zu dem die befragten 60 Journalist:innen in Deutschland je gearbeitet haben. Nicht nur sei das Arbeitsklima «extrem hart», die Journalist:innen berichten auch «über massiven Druck, Selbstzensur und erodierende journalistische Standards» in den Redaktionen, direkte Einflussnahme der israelischen Botschaft auf Medienhäuser und verordnete Glossarien, welche im Sinne der «Antisemitismus-Resolution» einen bisher nicht bekannten Einfluss nahmen auf die journalistische Praxis. So mussten etwa israelische Angriffe immer als «Reaktionen» oder «Gegenangriffe» dargestellt werden bei der ARD; der Begriff «Massaker» galt einzig für die Hamas und musste zu jedem Angriff genannt werden. Die Analogie zwischen Auschwitz und Gaza als pars pro toto für einen Genozid wurde verboten. - Für die englischen Medien gibt es ähnliche journalismuskritische Untersuchungen des «Centre for Media Monitoring», in den USA in der «Columbia Journalism Review» oder in «The Nation» vom Oktober 2024 eine Analyse der Berichterstattung von CNN und MSNBC zu den ersten 100 Tagen nach Kriegsbeginn. Für die Schweiz fehlen solche Studien. Es gibt aber doch zahlreiche einzelne Medienbeobachter wie etwa Ernst Gräub oder Ignaz Staub. Als Ombudsmann konnte Staub bestätigen, dass beim Presserat mehrheitlich Klagen eingereicht wurden von Lesenden, welche Stimmen aus Palästina vermissten. - Die Klagen, dass über Gaza nicht oder falsch berichtet wurde, weisen auf ein tieferes Problem hin: Nicht nur wurden ausländische Medienschaffende seit Beginn des Krieges über weite Strecken aus dem Gazastreifen verbannt, auch wurden in Gaza palästinensische Journalist:innen gezielte Opfer der israelischen Angriffe. Journalist:innen in Gaza kommen nicht um, sie werden ermordet. Staub zitiert hierzu die NGOs «Committee to Protect Journalists» und «Reporter ohne Grenzen», denen zufolge im Nahen Osten seit Oktober 2023 250, in Gaza allein 220 Medienschaffende getötet und 173 weitere verwundet worden sind. 94 sitzen in Haft; erst vor zwei Wochen wurde ein palästinensisches Journalisten-Trio ermordet, ein weiteres Kriegsverbrechen, von den Israelian Defensive Forces IDF immer legitimiert mit «Sicherheitsgründen» – Behauptungen, die mit Sicherheit nie aufgeklärt werden. Das heisst: Die objektive Berichterstattung aus Gaza wurde seit Beginn des Kriegs gezielt ins Abseits gestellt und die meisten inländischen Medien folgten den Quellen der kriegführenden israelischen Regierung. Staub zitiert die palästinensische Juristin Diana Buttu, die jüngst schrieb, der jüdische Staat verbanne bis dato «die letzten ausländischen Zeugen des Genozids in Gaza». Geblieben sind lokale Stimmen, die weiterhin ausharren – wie jene von Al Aila Shrouq, eine der ganz wenigen überlebenden Medienschaffenden in Gaza, die letztes Jahr bei einem Treffen von «Truth Tellers» in London einen verzweifelten Appell lancierte: «Meine Botschaft an die journalistische Gemeinschaft ist: Wir als Medienschaffende haben über alles gesprochen. Wir haben alles gefilmt. Es ist jetzt an der Zeit, dass ausländische Korrespondentinnen und Korrespondenten kommen und über den Krieg berichten. Wir haben keine Worte mehr. Es gibt nichts mehr zu sagen oder zu filmen. Man kann sich alles auf dem Bildschirm ansehen und trotzdem hat niemand gehandelt. Es ist, als ob wir in einem Brunnen sitzen und schreien und nur das Echo hören.» ---"
Hier der Bericht.
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